Männer stehen auf Brust-OP

Männer stehen auf Brust-OP 1920 1738 Dr. Tina Peters

Gesichtsstraffung, Fettabsaugung, Brust-OP: Bis vor zehn oder 15 Jahren legten sich hauptsächlich Frauen unter das Messer von Schönheitschirurgen, um Dinge an sich verändern zu lassen. Mittlerweile boomen die Eingriffe jedoch auch bei Männern – und zwar insbesondere die Brust-OPs, wie die Ärztin Dr. Tina Peters im Gespräch mit der MOPO erzählt.

MOPO: Frau Peters, Sie arbeiten seit 27 Jahren im Bereich der Schönheitschirurgie. Haben die Eingriffe bei Männern in dieser Zeit zugenommen?
Dr. Tina Peters: In meiner Praxis in Rotherbaum ist der Männeranteil mittlerweile sehr hoch. Bisher wurden in Deutschland etwa zehn bis elf Prozent der Schönheitseingriffe an ihnen durchgeführt. Ich gehe aber davon aus, dass die Zahl für 2025 schon höher sein wird, denn Beauty-OPs werden enttabuisiert – und auch männliche Stars lassen sich immer häufiger operieren, etwa Brad Pitt, Zac Efron oder Paul McCartney.

Was ist der Grund dafür? Lässt sich auch dieser Hype mit dem Einfluss von Social Media erklären?
Dadurch wird er befeuert. Viele Männer gehen heutzutage im Fitnessstudio pumpen, ernähren sich gesund und wollen auch, dass man das sieht. Manche Dinge lassen sich auf natürlichem Wege nicht ändern, und dann kommen sie hierher. Ein extremer Trend ist aktuell die Gynäkomastie, also die operative Brustverkleinerung: Wenn Männerbrüste von Natur aus etwas größer sind, gehen sie auch durch Training nicht weg. Wer seinen muskulösen Oberkörper in engen Hemden zeigen möchte, stört sich an einem sichtbaren Brustansatz.

Also widersprechen sich der heute oft geäußerte Wunsch nach mehr Männlichkeit auf der einen und Beauty-OPs auf der anderen Seite nicht?
Im Gegenteil! Bis vor ein paar Jahren waren Schönheits-OPs unter Männern verpönt, weil sie oft sehr offensichtlich waren oder zu obskuren Gesichtern geführt haben. Sie waren ein reines Frauenthema. Heute sind die Ergebnisse natürlicher, oft braucht man nicht einmal Fremdmaterial, etwa beim Lifting. Dadurch können typisch männliche Züge wie beispielsweise die Jawline (Kieferpartie, Anm. d. Red.) noch unterstrichen werden.

Was können Sie über die Männer sagen, die zu Ihnen kommen?
Während Frauen aller Altersgruppen vertreten sind – teils hoch bis in die 80er, 90er – kommen Männer vor allem in ihren „besten Jahren“, etwa zwischen 30 und 65. Hin und wieder haben wir Jugendliche, bei denen wir erst mal auf den Ausweis schauen müssen. Unter 18 behandeln wir natürlich nicht. Alle sozialen Schichten sind vertreten, nicht nur aus Hamburg. Dadurch, dass ich schon lange im Business bin, habe ich auch internationale Kunden.

Sie haben von der Brustverkleinerung gesprochen. Welche Eingriffe sind noch beliebt?
Ungeschlagen unter den Männern ist die Oberlidstraffung, die für einen jüngeren und frischeren Look sorgt. Auch die Unterlidstraffung ist beliebt. In Zeiten des Optimierungswahns kommen Männer aber auch immer häufiger mit vermeintlichen Belanglosigkeiten: Zum Beispiel kleine Fettrollen am unteren Rücken, die abgesaugt werden sollen. Weitere Trends sind die Haartransplantation und Korrekturen an den Zähnen.

Steigen eigentlich auch die Zahlen bei Penis-Verlängerungen?
Dort sehe ich keinen Anstieg, denn das ist eine OP, bei der man sehr stark abwägen muss. Die Risiken sind überschaubar, aber bei der Penisverlängerung sind maximal ein bis zwei Zentimeter drin. Zudem ist dieser Eingriff immer noch sehr schambehaftet. Gerade trenden vor allem die Eingriffe, deren Ergebnis man in der Öffentlichkeit präsentieren kann.

Weisen Sie manchmal Kunden ab?
Das kommt vor. Ich nehme zum Beispiel keine Rippen heraus und mache bei Hochrisiko-Eingriffen wie dem „Brazilian Butt Lift“ eine sehr genaue Patientenselektion. Ebenso weise ich Patienten mit unrealistischen Wünschen ab. Manchmal ist man eben mehr Psychotherapeutin als Chirurgin – dann unterhalte ich mich eine Stunde mit dem Patienten und es gibt keinen Eingriff, aber am Ende sind alle trotzdem happy.

Artikel erschienen in der MOPO Dezember 2025. Das Interview führte Pauline Reibe.